Der Gesamtbundesrat hält sich nicht an Gesetze und missachtet die Demokratie

Medienmitteilung des Verein CHWOLF vom 06. November 2023

 

CHWOLF ist empört und zutiefst enttäuscht, dass der Gesamtbundesrat die Abschusspläne von Bundesrat Rösti und seinem Umweltdepartement gutgeheissen hat.
Die neue Jagdverordnung mit einer solch extremen Lockerung des Wolfsschutzes ohne ordentliche Vernehmlassung auf den 1.12.2023 in Kraft zu setzen, verstösst gegen das Bundesgesetz über das Vernehmlassungsverfahren. Mit der Einführung eines Schwellenwertes von 12 Rudeln in der Schweiz und der dadurch massiven Reduktion des Wolfsbestandes von ca. 70%, verstösst die Jagdverordnung auch gegen die Berner Konvention und missachtet den Willen des Volkes, welches sich im September 2020 an der Urne gegen eine Lockerung des Wolfsschutzes aussprach.

Ein Gesamtbundesrat, welcher den Willen des Volkes mit Füssen tritt, demokratische Regeln aus-hebelt, um die Interessen einer Minderheit durchzubringen, gegen Bundesgesetze und internationale Vereinbarungen verstösst, entspricht nicht dem demokratischen Verständnis der Schweiz. 20 der aktuell bestehenden 32 Wolfsrudel zum Abschuss frei geben und im selben Atemzug betonen, dass der Wolf eine geschützte Tierart bleibt, ist ein Hohn und Widerspricht dem Artenschutz!

Dank verbessertem Herdenschutz weniger Risse
Dass ein Zusammenleben Mensch, Wolf, Nutztiere möglich ist, beweisen all diejenigen, die zum Teil schon seit Jahren, sehr erfolgreich Herdenschutzmassnahmen umsetzen. Natürlich ist dies mit Auf-wand verbunden, es lohnt sich aber auf jeden Fall. Dies zeigen auch die Zahlen. Dank verbessertem Herdenschutz hat es in diesem Jahr trotz steigender Wolfspopulation im Durchschnitt 29% weniger Risse gegeben als im Vorjahr in derselben Zeitspanne (Jan. - Sept.). Im Kanton Graubünden z.B. sind die Risse um 50% und im Kanton Glarus gar um über 80% zurückgegangen. Der grösste Teil der Risse geschah in nicht- oder ungenügend geschützten Herden. Angesichts dieser sehr positiven Entwicklung ist die Aussage des Bundes, dass die wachsende Wolfspopulation und die steigende Risszahlen ein rasches Handeln erfordern, nicht begründet.

Leider gibt es immer noch viele Nutztierhalter, die keine oder nur ungenügende Schutzmassnahmen ergreifen und stattdessen lauthals den Abschuss der Wölfe fordern. Und genau diejenigen, die nichts für den Schutz ihrer Tiere tun und am lautesten schreien, werden nun mit der Abschusspolitik des Bundes belohnt. Wolfsabschüsse sind aber keine nachhaltige Lösung, denn sie machen nur den Platz frei für die nächsten Wölfe. Werden die Herden weiterhin nicht- oder nur ungenügend geschützt, wird es trotz dem Abschuss von ganzen Wolfsfamilien auch in Zukunft zu Rissen kommen.

Pro Wolf werden immer weniger Nutztiere gerissen
Fakt ist: Im Verhältnis zu der Anzahl Wölfe haben die Risse dank verbessertem Herdenschutz massiv abgenommen, wie die untenstehenden Risszahlen belegen. Zudem verenden jährlich um die 4000 Schafe wegen Krankheiten, Abstürzen, Stein- und Blitzschlag etc. Diese sogenannt „natürlichen Abgänge“ werden von den Alpbewirtschaftern einfach in Kauf genommen.

2000 -     4 Wölfe -   255 Risse (63.7 Risse/Wolf)
2009 -   10 Wölfe -   382 Risse (38.2 Risse/Wolf)                                                                         
2018 -   50 Wölfe -   525 Risse (10.5 Risse/Wolf)
2022 - 200 Wölfe - 1480 Risse (  7.4 Risse/Wolf)
2023 - 300 Wölfe -  bis Sept. 850 Risse, dies sind 29% weniger Risse als 2022 in derselben Zeitspanne

Quelle: Graphiken Kora Rissstatistik und Entwicklung Wolfspopulation

 

Medienmitteilung vom 06.11.2023 als pdf

 

Weitere Informationen und Auskünfte:

Christina Steiner, Präsidentin Verein CHWOLF
c.steiner@chwolf.org

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