Bund setzt neue Jagdverordnung in Kraft und schwächt Herdenschutz massiv
Medienmitteilung des Vereins CHWOLF vom 15. Dezember 2024
Am 13. Dezember hat der Bundesrat die revidierte Jagdverordnung (JSV) per 1. Februar 2025 in Kraft gesetzt. Gleichzeitig gab er bekannt, das Budget für den Herdenschutz um 50% zu senken. Dies ist geradezu ein Affront allen Alpbewirtschaftern gegenüber, welche sich zum Teil schon seit Jahren mit grossem Aufwand für einen seriösen Herdenschutz einsetzen.
Die massive Schwächung des Herdenschutzes zeigt einmal mehr, dass dem Bund nichts daran liegt, ein möglichst konfliktarmes und ausgewogenes Zusammenleben zwischen Mensch, Wolf und Nutztieren zu fördern. Es geht einzig darum, den Wolfsbestand möglichst schnell und grossflächig zu dezimieren. Dies hat nichts mit einem wissenschaftlich fundierten und naturverträglichen Wolfsmanagement zu tun.
Statt den so wichtigen und bewährten Herdenschutz zu fördern und stärken, wird das Herdenschutz-budget aus Spargründen um 50% gesenkt und die Verantwortung des Herdenschutzes wird an die Kantone übergeben. Die jahrelange Aufbauarbeit für einen erfolgreichen Herdenschutz wird damit von offizieller Stelle torpediert und langfristig massiv geschwächt.
Risse gehen dank Herdenschutz massiv zurück
Auch im 2024 sind die Risszahlen dank verbessertem Herdenschutz bis Ende September massiv zurückgegangen. Im Kanton Graubünden um 35% und im Kanton Wallis um 15%. Bereits im Jahr 2023 haben die Risszahlen im Vergleich zum Jahr 2022 gesamtschweizerisch um 40% abgenommen und dies vor Beginn der neuen präventiven Regulierungsabschüsse! Die meisten Risse geschahen auch in diesem Jahr in nicht oder nur ungenügend geschützten Herden.
Scharfe Kritik an der Jagdverordnung
Beim Studium der veröffentlichten Vernehmlassungs-Eingaben, fallen die vielen scharfen Kritiken von Seiten diverser Kantone, Parteien und Umweltverbänden auf. Ebenso die Bedenken, dass die Jagd-verordnung nicht mit der geltenden Gesetzgebung und internationalen Vereinbarungen überein-stimmt. Trotzdem hält der Bund an seiner Kahlschlag-Wolfspolitik fest.
Auch wenn der Schutzstatus des Wolfes am 03. Dezember 2024 in der Berner Konvention von streng geschützt auf geschützt herabgestuft wurde, ist dies kein Freipass, um massenhaft Wölfe zu schiessen. Die Vertragsparteien haben sich weiterhin an die geltenden Regeln der Berner Konvention zu halten. Dies beinhaltet unter anderem auch, für einen günstigen Erhaltungszustand der geschützten Tierarten zu sorgen. Die revidierte JSV unterschreitet mit der Einführung eines Schwellenwertes von 12 Rudeln den auf wissenschaftlicher Basis errechneten günstigen Erhaltungs-zustand für die Schweiz von mindestens 20 Rudeln bei weitem.
Mit der unprofessionellen und rein politisch-agrarwirtschaftlich motivierten Abschusspolitik und der massiven Schwächung des Herdenschutzes erreicht der Bund statt einer Beruhigung der Situation, ein völlig chaotisch eskalierendes Wolfsmanagement durch die Kantone. Stabile Rudel werden un-kontrolliert auseinandergeschossen und viele unerfahrene Jungtiere werden entweder verhungern oder auf Suche nach einfacher Beute Schäden an Nutz- und Heimtieren anrichten. Mit der gleich-zeitigen massiven Schwächung des Herdenschutzes werden viele Alpbewirtschafter in Zukunft auf die aufwändigen Schutzmassnahmen verzichten, was wiederum mehr Risse zur Folge hat. Der Bund wird somit jedes Jahr massiv in den Wolfsbestand eingreifen müssen, ohne eine nachhaltige Wirkung zu erreichen.
Die einzig nachhaltige und langfristige Lösung für ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben wäre in die bewährten Herdenschutzmassnahmen zu investieren und auf ein wissenschaftlich fundiertes und naturverträgliches Wolfsmanagement zu setzen.
Medienmitteilung vom 15.12.2024 als pdf
Weitere Informationen und Auskünfte:
Christina Steiner, Präsidentin Verein CHWOLF
c.steiner@chwolf.org
