Das tödliche Experiment: Experte warnt vor Zerstörung der Schweizer Wolfsfamilien
Medienmitteilung von Peter A. Dettling vom 05. März 2025
Eine neue Analyse des Bündner Wolfsfeldforschers Peter A. Dettling zieht eine düstere Bilanz der «proaktiven Regulation». In Graubünden starben 2024 rund 50 % des nachgewiesenen Wolfsbestandes. Dettling warnt: Die massiven Abschüsse destabilisieren landesweit die Wolfsfamilien, schüren neue Konflikte und ignorieren den demokratischen Volkswillen.
Seit der Revision der Jagdverordnung Ende 2023 vollzieht die Schweiz einen radikalen Kurswechsel. Was der Bund als Weg zur Koexistenz verkauft, bezeichnet der Wolfsexperte und Autor Peter A. Dettling nach umfassender Datenauswertung als «unwissenschaftliches und immens teures Experiment zu Lasten der Steuerzahler».
Die Dezimierung der Bestände
Die Zahlen aus Graubünden sind alarmierend: Im Jahr 2024 verlor die Population die Hälfte ihres Bestandes (53 von 106 Tieren). Neben 48 offiziellen Abschüssen treiben Wilderei und Unfälle die Rate in kritische Höhen. «Diese Strategie ist biologisch unverantwortlich. Wenn wir zwei Drittel der Welpen wegschiessen, zertrümmern wir das soziale Gefüge», erklärt Dettling.
Paradoxe Folgen: Regulation schafft Probleme
Die Analyse zeigt, dass Abschüsse den Herdenschutz oft untergraben. Orientierungslose Jungwölfe ohne Führung durch Elterntiere neigen eher zu Nutztierrissen. Dettling nennt die Beverin- und Fuorn-Wolfsfamilien als mahnende Beispiele: Nach der Eliminierung unauffälliger Rudel rückten oft problematischere Tiere nach.
Kostenexplosion und statistische Schieflage
Während der Aufwand für die Wildhut in Graubünden von 8'628 Stunden (2021) auf über 18'430 Stunden (2024) explodierte, bleibt die Verhältnismässigkeit auf der Strecke:
- Rückgang der Risse vor der Jagd: Die Risszahlen sanken bereits 2022 – also vor Einführung der proaktiven Regulation.
- Marginale Verlustrate: 2024 verendeten schweizweit 56'838 Schafe durch Krankheiten oder Unfälle. Der Wolf ist für weniger als 2 % der Verluste verantwortlich.
Forderung nach einem Paradigmenwechsel
Dettling erinnert an den Volksentscheid von 2020: «Das Stimmvolk hat eine derartige Lockerung des Wolfsschutzes abgelehnt. Die aktuelle Praxis handelt am Geist der Demokratie vorbei.» Er fordert ein «Schweizer Modell», das auf drei Säulen basiert:
- Professioneller, konsequenter Herdenschutz.
- Unabhängige Forschung statt politisch motivierter Abschüsse.
- Transparente Kommunikation und Bildung.
«Ein solches 'Schweizer Modell' würde nicht nur die Konflikte nachhaltig entschärfen, sondern weltweit Bewunderung auslösen und den ökologischen Tourismus fördern», zeigt sich Dettling überzeugt.
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Fotos: Peter A. Dettling
