Neue Revision des Jagdgesetzes für die Regulierung des Wolfs

Medienmitteilung des Bundes vom 18. Januar 2022

 

In der oberen Surselva haben sich in den vergangenen Wochen in Siedlungen gehäuft besorgniserregende Begegnungen zwischen einem Einzelwolf und Menschen ergeben, welche insgesamt als problematisches Verhalten eines Wolfs mit potentieller Gefährdung des Menschen zu qualifizieren sind. Der Kanton hat daher entschieden, den Abschuss des Problemtiers unter Anwendung der polizeilichen Generalklausel vorzunehmen. Der Wolf wurde in der Nacht auf den 20. Januar 2022 durch die Wildhut erlegt.

Die Wildhut hatte die Entwicklung bezüglich der Begegnungen des Einzelwolfs mit Menschen in der Cadi seit geraumer Zeit aufmerksam verfolgt und stand in Kontakt mit den Gemeindebehörden. Mehrere Versuche, das Tier mit einem Telemetrie-Sender zu versehen und mit Gummischrot zu vergrämen, blieben erfolglos. Gleichzeitig hatten die Begegnungen innerhalb des Siedlungsgebiets in den vergangenen Wochen stark zugenommen, wobei der Wolf zunehmend mit einem problematischen Verhalten mit potentieller Gefährdung des Menschen aufgefallen war. So kam es am vergangenen Sonntagmorgen um 6.15 Uhr zu einer Begegnung, bei welcher der Wolf unbemerkt einer Person gefolgt war und schliesslich in einer Entfernung von zwei Metern über einen längeren Zeitraum nahe der Person verweilte, um in der Folge weiter Richtung Dorf zu laufen. Die offensichtlich zunehmende Gewöhnung dieses Wolfs an den Menschen und das dadurch erhöhte Risiko einer Gefährdung für den Menschen waren alarmierend. Beim mittlerweile erlegten Wolfsrüden handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Einzelwolf.

 

gesamte Medienmitteilung des Bundes vom 18.01.2022 als pdf

Eingereichter Text der Kommissionsinitiative der UREK-S (21.502) «Wachsende Wolfsbestände geraten ausser Kontrolle und gefährden ohne die Möglichkeit zur Regulierung die Landwirtschaft» als pdf

Eingereichter Text der parlamentarischen Initiative (21.481) «Zukunftsgerichtetes Wolfsmanagement. Für ein Miteinander von Grossraubtieren, Alpnutzung, Siedlung und Tourismus» als pdf

 


Anmerkung von CHWOLF

CHWOLF distanziert sich ausdrücklich von diesem Kompromiss der erneuten Gesetzesänderung, zu welchem sich verschiedene Naturschutz- und Nutzungsorganisationen geeinigt haben. Eine explizit präventive Regulierung von Wolfsbeständen oder die präventive Entnahme von ganzen Wolfsrudeln als zusätzliche Schutzmassnahme, wie es in der erneuten Revision des Jagdgesetzes vorgesehen ist, ist für CHWOLF nicht akzeptierbar und klar der falsche Weg. Die Stimmbevölkerung hat im Herbst 2020 mit dem Nein zum revidierten Jagdgesetztes eine präventive Wolfsregulierung klar abgelehnt.

Eine streng geschützte Tierart präventiv auf Basis von kommerziellen Interessen zu regulieren ist respektlos und mit einem nachhaltigen Natur- und Artenschutz nicht vereinbar.
Mit der präventiven Regulierung von Wolfsbeständen setzt unsere Politik falsche Zeichen. So werden sich leider viele Nutztierhalter auf den Wolfsabschuss verlassen, anstatt den Herdenschutz seriös umzusetzen.


Präventive Wolfsabschüsse, oder gar die Entnahme von ganzen Rudeln, sind keine nachhaltigen Lösungen und bringen allenfalls eine kurzfristige Beruhigung der Situation und der Bevölkerung. Die nächsten Wölfe werden folgen und sich erneut niederlassen.
Um Schäden an Nutztierherden langfristig effizient zu vermeiden, braucht es zwingend ein Umdenken im Schutz der Nutztiere, eine Intensivierung des Herdenschutzes und eine bessere und faire Entschädigung für die Herdenschutzbemühungen.
Auch breiten sich Wölfe nicht unkontrolliert in einem Gebiet aus. Ein Wolfsrudel nutzt ein Territorium von ca. 150 – 300 km2. In diesem Gebiet lebt nur eine Wolfsfamilie, welche aus den Elterntieren und ihren Jungen besteht (im Durchschnitt ca. 8-10 Tiere). Die Wolfsbestände regulieren sich durch die Abwanderung von Jungtieren und der natürlichen Sterblichkeit ganz von selbst, die Natur braucht dafür keine präventiven Eingriffe von Menschen.

Ein Zusammenleben Mensch – Natur mit grossen Beutegreifern ist möglich, bedingt jedoch den Willen und das entsprechende Verständnis der Menschen.

 

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