Wegen Wölfen in Panik geratene Mutterkühe?

Medienmitteilung des Verein CHWOLF vom 22. Juli 2020

Die Meldungen, dass Wölfe ganze Mutterkuhherden in Panik versetzen, die damit eine Gefahr für Touristen werden können, häufen sich. Dass Mutterkühe ihre Kälber verteidigen, ist bekannt und entspricht ihrem natürlichen Instinkt. Sie verteidigen ihre Kälber jedoch nicht nur gegen Grossraubtiere, sondern auch gegen Hunde und allenfalls auch Wanderer und Biker, welche den Kälbern zu nahekommen. Es gibt jedes Jahr tragische Unfälle mit Todesfolge, und dies nicht nur in Gebieten, wo Wölfe anwesend sind. Besonders in diesem speziellen Corona-Jahr könnten sich solche Zwischenfälle häufen, da viel mehr Wanderer und zum Teil bergungewohnte Touristen, teilweise mit ihren Hunden, in den Alpregionen unterwegs sind. Dies hat aber nichts mit der Anwesenheit der Wölfe zu tun. Wichtig ist, dass Wanderer und Biker die Hinweistafeln beachten, Begleithunde an die Leine nehmen und die Herde grossräumig, mit wirklich viel Abstand, umgehen.

Wie reagieren Mutterkühe, wenn ein Wolf mitten durch die Herde läuft oder sich ein Angriff abzeichnet?

Dass Wildtiere, auch Wölfe, einer Kuhherde auf den Alpweiden nahe kommen oder sie sogar ohne Jagdabsichten einfach durchqueren, ist eine natürliche und sicher ab und zu vorkommende Situation. Und dass ein einzelner unerfahrener Wolf auch einmal bei Kälbern vorsichtig seine Chancen auslotet, ist durchaus möglich. Wird dadurch eine Gefahr erkannt, werden Mutterkühe ihre Kälber vehement verteidigen und versuchen den Wolf zu vertreiben, indem einzelne Muttertiere gezielt auf den Wolf losgehen. Die meisten anderen Kühe der Herde werden jedoch ruhig stehen bleiben und die Situation beobachten. Sobald der Wolf vertrieben ist, werden die Kühe wieder weiter weiden. Dieses Verhalten ist eine gezielte Verteidigung ihrer Jungen und hat nichts mit Panik zu tun! Auch sind solche natürlichen Verteidigungsreaktionen nur von beschränkter Zeitdauer und lösen sich nach Verschwinden der Gefahr wieder vollständig auf. Eine Mutterkuhherde, die in Panik gerät, sieht ganz anders aus. Panik löst ein unüberlegtes, kopfloses Fluchtverhalten aus und nicht ein Verteidigungsverhalten wie bei einer Raubtieranwesenheit. Gründe für Panik können zum Beispiel ein Gewitter mit Blitzschlag und Hagel sein.

Wölfe haben in der Regel jedoch kaum eine reale Chance, ein gesundes Kalb zu erwischen und meiden die für sie gefährliche Verteidigungsreaktion der Mutterkühe. Wichtig ist jedoch, dass Abkalbungen nicht auf den Alpweiden stattfinden. Denn frisch geborene Kälber und vor allem die Nachgeburten können Wölfe anlocken. Da die Kühe ihre Kälber meist etwas abseits der Herde gebären und die Mutter kurz nach der Geburt oft noch zu schwach ist, um ihr Kalb wirkungsvoll zu verteidigen, könnte es in solchen Situationen zu Angriffsversuchen kommen.

Weitere Informationen und Auskünfte:

Christina Steiner, Präsidentin Verein CHWOLF
Tel. 079 203 24 56,  c.steiner@chwolf.org,  www.chwolf.org

 

Medienmitteilung vom 22.07.2020 als pdf

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