Wölfe reissen ausgewachsenen Esel?

Eine Geschichte mit vielen Fragezeichen…


Medienmitteilung des Verein CHWOLF vom 22. September 2020


Wölfe im Gebiet des Beverin-Rudels sollen in nur einer Nacht einen ausgewachsenen Esel aus einer eingezäunten Gruppe von vier Eseln auf der Alp Durnan gerissen und bis auf das Gerippe und den Schädel vollständig genutzt haben. Ein Bild dazu zeigt Kopf und Karkasse auf einer Wiese liegend. Dies die Meldung des Amtes für Jagd und Fischerei Graubünden und diverser Medien am 21. September 2020.

Dass Wölfe an diesem verendeten Esel gefressen haben ist sehr gut möglich und sicher auch nachweisbar. Dass Wölfe den Esel getötet haben ist ebenfalls möglich, jedoch noch nicht erwiesen.

ABER es stellen sich zu dieser Geschichte und dem Bild doch einige Fragen!

Esel sind wehrhafte Tiere. Wurde denn bei diesem Angriff kein anderer Esel der Gruppe verletzt?
Hat keiner Abwehrspuren? Und konnten die Wölfe trotz Anwesenheit der anderen drei Esel das getötete Tier die ganze Nacht hindurch ungehindert und in Ruhe auffressen?

Das Bild in der Presse zeigt ein fein säuberlich bis auf die Rippen abgenagtes Gerippe im Gras liegend. Keine herumliegenden Haut- und Fellreste, keine Knochensplitter, kein Mageninhalt oder sonstige Rückstände und keine Schleif- und Fressspuren sind zu sehen. So sieht kein Fressplatz von Wölfen aus!

Ein ausgewachsener Esel hat ein Gewicht von sicher 350 oder mehr Kilogramm. Die verwertbare Biomasse dürfte ungefähr bei 50-60% des Gesamtgewichtes liegen. Wölfe sind in gewissen Situationen, bei schlechter Futtersituation und ausgehungert, in der Lage bis zu 20% ihres Körpergewichtes auf einmal zu fressen. Dies wären dann max. 10-12 Kg. Um den getöteten Esel in nur einer Nacht vollständig zu fressen hätten somit gleichzeitig über 15 ausgewachsene und ausgehungerte Wölfe anwesend sein müssen (sehr konservativ gerechnet). Aber so viele Wölfe hat das Beverin-Rudel gar nicht!

Der getötete Esel soll in nur einer Nacht vollständig und säuberlich bis auf Kopf und Gerippe gefressen worden sein. Wölfe verfügen über ein starkes, knochenbrechendes Gebiss und nagen keine Rippen ab. Um ein solches Resultat wie auf dem Bild zu erhalten, müssen weitere Tiere wie Aasfresser und Vögel den Kadaver über mehr als nur eine Nacht bearbeiten. Die zeitlichen Angaben im Bericht können auf Grund des Zustandes des Kadavers kaum stimmen.

Die Geschichte, wie sie beschrieben und mit einem Bild dokumentiert wurde, ist mehr als fraglich!

 

Medienmitteilung vom 22.09.2020 als pdf

CHWOLF Medienecke 


Weitere Informationen und Auskünfte:

Christian Müller, Vizepräsident Verein CHWOLF

 c.mueller@chwolf.org,  www.chwolf.org

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