Elektrifizierung der Zäune
Wichtige Aspekte bei der Elektrifizierung von Zäunen zur Beutegreifer-Abwehr
Eine fachgerechte Installation des gesamten elektrischen Zaunsystems ist extrem wichtig, damit an jeder Stelle des Zauns ein Eindringling bei der ersten Berührung einen sehr starken Stromschlag verpasst bekommt. Das wird ihn nachhaltig vergrämen und er wird sich von dieser Installation künftig fernhalten.
Eine hohe Schlagleistung an jeder Stelle des Zaunes ist für die wirkungsvolle Abwehr von Beutegreifern match-entscheidend.
Weidezaungeräte
Heutige moderne Weidezaungeräte sind in ihrer Schlagleistung sehr effizient und intelligent gesteuert. Sie überwachen die Zauninstallation und können ihre Leistung auf die gemessene Situation anpassen. Bei permanent hoher Stromableitung reduzieren sie nach einer gewissen Zeit ihre Leistung, damit z.B. im Zaun verfangene Wildtiere nicht dauern einen Stromschlag erhalten.
Für die effiziente Beutegreifer-Abwehr ist eine hohe Impulsleistung von über 5 Joule zu empfehlen. Die Wahl des optimalen Gerätes ist abhängig von der Situation sowie Beschaffenheit und Länge des Zaunes. Grundsätzlich gibt es drei Kategorien von Weidezaungeräten:
230 VAC Geräte
Ist ein 230 VAC Netz-Anschluss vorhanden, so empfiehlt sich die Verwendung eines 230 V Gerätes. Es ist die günstigste, pflegeleichteste und kompakteste Lösung.
Batterie-Geräte
Reine Batterie-Geräte mit kompakten 6, 9 oder 12 V Batterien sind meist im unteren Leistungsbereich angesiedelt und eignen sich nur für kurze oder kleine Pferche.
Solar-Geräte
Solargeräte mit einem effizienten Solarpanel und einem genügend grossen Solar-Akku sind heute genauso leistungsstark wie Geräte mit Netzanschluss.
Bei der Wahl des Systems ist vor allem darauf zu achten, dass das Solarpanel und die Pufferbatterie auch bei längeren Schlechtwetterperioden genügend Strom für den Dauerbetrieb liefern können.
Heute gibt es auch Kombi-Geräte, die sowohl an einer 12 VDC Batterie, mit oder ohne Solarmodul, und via separatem Netzteil an 230 VAC betrieben werden können.
Erdung
Eine gute, an die Leistung des Weidezaungerätes angepasste Erdung ist neben dem Gerät selbst der wichtigste Punkt der Elektrifizierung. Nur mit einer perfekten Erdung wird die Schlagleistung beim Eindringling auch maximale Wirkung zeigen.
Es ist in jedem Fall immer eine Mehrpunkt-Erdung mit mindestens 2 und für leistungsstarke Geräte mit 3 bis 4 Erdungsstäben oder Erdungsschrauben aufzubauen. Zwischen den Erdungspunkten sollte ein Abstand von 2-3 m eingehalten werden und die Stäbe sollten mindestens 60 cm, besser bis 100 cm im Boden versenkt sein.
Wenn möglich ist als Erdungsbereich ein feuchter Untergrund zu wählen.
Erdungsstäbe sollten aus nichtrostendem Material wie z.B. feuerverzinktem Stahl bestehen und eine grosse Oberfläche aufweisen. So kann eine optimale Erdverbindung mit dem Boden erreicht werden.
Die Verbindungen im Erdungssystem untereinander und zum Weidezaungerät müssen mit einem sehr gut leitenden Erdungskabel und mit satt verschraubten Anschlüssen erfolgen.
Anschlüsse, Kabel und Verlängerungen
Alle Anschlüsse an den Geräten und beim Erdungssystem sind zwingend mit rostfreien Schraubverbindungen auszuführen. Nur satt sitzende, rost- und oxidationsfreie Verbindungen garantieren einen optimalen Betrieb des gesamten Systems.
Für den Anschluss an den Zaun sollten fertig konfektionierte Anschlusskabel mit Federklemmen oder Klammern verwendet werden. Sie garantieren einen optimalen Kontakt zum Zaun.
Verlängerungen und Zuleitungen für Erdungs- oder Spannungsanschlüsse müssen mit speziellen Hochspannungs-kabeln mit entsprechendem Mantel erfolgen und ihre Anschlüsse sind immer mit Schraubklemmen oder Pressösen zu verschrauben.
Litzenführung und Isolatoren
Bei Litzenzäunen sind die offenen, stromführende Litzen über stabile Isolatoren zu führen. Für die heutigen Spannungsbereiche der Weidezaungeräte, die bis gegen 10‘000 Volt gehen können, dürfen nur noch neuartige Isolatoren mit genügender Isolationsdistanz verwendet werden. Die Litzen haben dabei in der vorgesehenen Führung des Isolators zu liegen und dürfen nicht irgendwie rund um den Isolator gewickelt werden.
Plus-Minus Weidezaunnetze
Plus-Minus Netze, mit abwechselnder Plus und Minus Leiterführung, können grundsätzlich ohne Erdung betrieben werden. Die volle Wirksamkeit ist dann jedoch nur gegeben, wenn gleichzeitig beide Leiter berührt werden.
Wird der Minuspol zusätzlich geerdet, wie bei allen anderen Zaunsystemen, führt die Berührung eines Plus-Leiters alleine auch zu einem wirksamen Stromschlag.
Blitzschutz
Um die teuren Weidezaungeräte vor externen Überspannungseinflüssen zu schützen, kann die Zaunzuleitung mit einem Blitzschutz ausgerüstet werden. Diese kleinen passiven Module sind günstig und können, sollten sie einmal zerstört sein, ganz einfach ausgetauscht werden. Vor allem auf Alpen oder Gebieten mit erhöhtem Gewitterrisiko ist ein Blitzschutz sehr zu empfehlen.
Test und Kontrolle
Elektrozäune müssen nach dem Aufstellen mit einem Zaunmessgerät (spezielles Spannungsmessgerät) auf der gesamten Länge kontrolliert werden. So kann sichergestellt werden, dass der Zaun bis zur hintersten Ecke wirkungsvoll elektrifiziert ist, respektive festgestellt werden, wo allenfalls ein Spannungsverlust entsteht (Erdschlüsse, Überschläge).
Moderne Zaunmessgeräte können teilweise bereits Probleme anzeigen und bei der Suche nach dem Fehler aktiv unterstützen.
Pflege und Überwinterung
Wiederaufladbare Batterien und Solar-Akkus sollten über den Winter, wenn sie nicht gebraucht werden, von Zeit zu Zeit nachgeladen werden. So kann eine schleichende Tiefentladung und eine damit verbundene Schwächung oder Schädigung der Batterie verhindert werden.
