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Herdenschutzhunde

Herdenschutzhunde werden seit Jahrhunderten in Europa und Asien eingesetzt um Nutztiere vor Raubtieren zu schützen. Der Herdenschutzhund lebt permanent mit der Herde und verteidigt diese gegen Angriffe. In der Schweiz schützt er seine Herde vor Wolf, Luchs, Bär, Fuchs, wildernden Hunden und Raubvögeln wie Kolkrabe oder Adler. Von Geburt an wird er geprägt auf das Umfeld der Nutztiere, denn die enge soziale Bindung zu den Schafen ist zentral für seine Aufgabe als Herdenschutzhund. Die Bindung zum Menschen beschränkt sich auf ein Minimum. Sein Schutzverhalten ist vererbt und muss ihm nicht beigebracht werden. Ein Herdenschutzhund arbeitet sehr selbständig und schützt die Herde indem er sein Territorium markiert, durch abschreckendes Bellen und Dominanzverhalten gegenüber dem Angreifer. Zum Kampf kommt es selten.

Es gibt über 30 verschiedene Herdenschutzhunderassen, die meisten davon stammen aus Europa und Asien. In der Schweiz werden hauptsächlich der französische „Montagne des Pyrénées“ und der italienische „Maremmano Abruzzese“ eingesetzt.

Cane da pastore Maremmano-Abruzzese                              Chien de montagne des Pyrénées


Die Aufzucht und Ausbildung zum einsatzfähigen Herdenschutzhund dauert ca. 2 Jahre. Die Anforderungen an einen Herdenschutzhund in der Schweiz ist anders als zB. in den Abruzzen oder in Ungarn,  wo es nie einem Wanderer in den Sinn käme, mitten durch die Schafherde zu wandern. In unserem Alpenraum mit dem vielen Tourismus, wo viele Wanderwege direkt durch die Alpweiden führen, ist die Situation für den Herdenschutzhund schwieriger.

Welpen, montagne des Pyrénées


Ein einsatzfähiger Herdenschutzhund muss folgende arbeitsrelevanten Merkmale erfüllen:

  • Perfekt integriert und Herdentreu: der Hund ist primär an die Schafe gebunden d.h. sein Verhalten orientiert sich immer an den Schafen und er kehrt nach Unruhe und Störung sofort wieder zur Herde zurück.
  • Zuverlässiges Schutzverhalten: bei Störung zeigt der Hund gute Aufmerksamkeit und reagiert schnell. Er positioniert sich beobachtend zwischen die Herde und „Störung“, bellt und steckt sein Territorium ab.
  • Kein Verursachen von Verletzungen an Herdentieren
  • Kein aggressives Verhalten gegenüber Personen
    Nähern sich unbekannte Personen der Herde, wird der Hund mit kräftigem Bellen und meist rascher Annäherung auf eine kurze Distanz reagieren. Er wird in der Folge weiter kräftig bellen und intensiv Beobachten bis sich die Personen wieder entfernt haben. Es kann auch sein, dass der Hund die „Eindringlinge“ bis an den Rand der Weide begleitet und erst dann zur Herde zurückkehrt. Er sollte jedoch immer etwas Abstand halten und darf gegenüber Menschen kein direkt-aggressives Verhalten zeigen.
  • Angepasstes Verhalten gegenüber fremden Hunden: Imponiergehabe, Bellen, Knurren und Wegbeissen fremder Hunde in der Nähe der Herde sind normal. Es sollen dadurch jedoch keine Verletzungen entstehen. Rennt ein fremder Hund allerdings mitten in die Herde hinein, muss mit einer heftigen Reaktion der Herdenschutzhunde gerechnet werden.
  • Umgängliches und vertrautes Verhalten gegenüber Bezugspersonen
  • Kein Wildern und Streunen: der Hund bleibt auf seinem Territorium bei seiner Herde.


  Merkblatt «Herdenschutz mit Hunden» (AGRIDEA, 2017)
  Dieses Merkblatt richtet sich vor allem an Personen, die die Anschaffung von Hunden zu Herdenschutz-
  zwecken in Erwägung ziehen oder bereits Hunde zum Schutz ihrer Nutztierherden besitzen.
  Das Merkblatt ist aber auch für generell am Thema interessierte Personen sehr zu empfehlen.

  Merkblatt «Arbeitshunde in der Landwirtschaft» (AGRIDEA, 2017)
  Dieses Merkblatt richtet sich vor allem an Personen, die sich für den Einsatz von Arbeitshunden in der
  Landwirtschaft interessieren, solche Hunde erwerben oder den Einsatz von ihnen optimieren wollen.
  Das Merkblatt ist aber auch für generell am Thema interessierte Personen sehr zu empfehlen.

>>>  Link zu "Herdenschutzhunde Schweiz", der Fachstelle für Herdenschutzhunde der AGRIDEA