Zäunung
Wichtige Aspekte bei der Zäunung zur Beutegreifer-Abwehr
Der beste und teuerste Zaun nützt nichts gegen Beutegreifer, wenn er nicht zu 100 Prozent richtig aufgestellt ist, oder die Elektrifizierung mangelhaft und schwach ist. Denn Wölfe testen immer wieder und finden jede Schwachstelle in einem Zaun. Sie reagieren jedoch sehr empfindlich auf starke elektrische Schläge. Kriegt ein Wolf bei der ersten Berührung einen heftigen Stromschlag ab, wird er diese Stelle in Zukunft meiden. Eine zu schwache und schlechte Elektrifizierung kann sie jedoch, speziell noch bei trockenem Boden, kaum daran hindern, den Zaun an einem günstigen Ort etwas anzuheben und sich durch zu schieben. Grundsätzlich schlüpfen Wölfe lieber unter einem Zaun durch, als dass sie über ihn springen, obwohl sie mühelos auch einen hohen Zaun überspringen könnten. Sie springen jedoch nicht gerne über ein Hindernis, bei dem sie durchblicken und nicht oben abstehen können. Ein nur 25 cm hohes Schlupfloch bei einer Geländeunebenheit reicht bereits, dass sich ein Wolf unter dem Zaun durchschieben kann. Kommt er so zum Erfolg, wird er es immer wieder versuchen. Das heisst, bei schlecht aufgebauten oder mangelhaft elektrifizierten Zäunen lernt der Wolf, diese zu überwinden.
Zäune für den Herdenschutz müssen somit für die Abwehr von Beutegreifern optimiert sein!

Aufbau von Zäunen
Die Zäune müssen ein lückenlos abgeschlossenes Hindernis bilden. Die notwendige Mindesthöhe beträgt 90 cm, empfohlen werden jedoch 105 cm. Die Zäune dürfen nicht durchhängen und die Zaunhöhe sollte auf der ganzen Koppellänge in etwa gleich sein.
Es ist speziell auf einen guten Bodenabschluss zu achten, damit keine Schlupflöcher entstehen. Falls notwendig kann mit zusätzlichen Pfosten oder Bodenklammern nachgeholfen werden. An Stellen, wo kein guter Bodenabschluss möglich ist, müssen diese Schwachstellen mit zusätzlichen Hindernissen oder Störelementen, wie z.B. einem Stück Lappenzaun, verstärkt werden.
Litzenzäune
Bei Litzenzäunen sollte der Abstand der untersten stromführenden Litze zum Boden und die Abstände zwischen den einzelnen Litzen an jeder Stelle nicht grösser als 20 cm sein. Es werden mindestens 5 Litzen empfohlen.
Mit einem zusätzlichen Erdleiter auf Bodenhöhe kann die Wirksamkeit noch stark erhöht werden.
Damit die Litzen überall gut gespannt werden können, müssen in regelmässigen Abständen und in Ecken stabile Holzpfosten mit guten Isolatoren eingesetzt werden.
Weidenetze
Weidenetze gibt es sehr viele im Fachhandel. Diese sollten vom Aufbau her einerseits an die Art und Grösse der eingezäunten Tiere angepasst sein und andererseits eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit aufweisen.
Mit der Ausführung der untersten, bodenebenen Litze als zusätzlichem Erdleiter kann die Wirksamkeit ebenfalls stark erhöht werden. Als sehr wirksame Variante gibt es sogenannte Plus-Minus Netze, bei denen sich Plus-Leiter und Minus-Leiter abwechseln. Sie bedingen aber eine sehr sorgfältige Installation, insbesondere bei den Netzübergängen.
Netze mit verschiedenen Kontrastfarben, insbesondere blau, werden von Nutz- und Wildtieren optisch besser wahrgenommen, als die herkömmlichen orangefarbenen Netze. Dies hat den Vorteil, dass sich Wildtiere, wie Rehe oder Gämsen, weniger im Zaun verfangen oder ihn niederreissen.
Durchgänge und Tore
Auch Wanderweg-Durchgänge müssen wolfsicher ausgestaltet sein. Metallrampen, Überstieg-Leitern oder Drehkreuze stellen für Wölfe kein Hindernis dar. Auch einfach aufzudrückende, nicht elektrifizierte Biker-Tore bieten keinen Eindringschutz vor Beutegreifern. Nur gut elektrifizierte und wenn möglich selbstschliessende Tore bieten genügend Schutz.
Bewuchs
Der Zaunverlauf sollte so gut wie möglich ausgemäht und von hohem Bewuchs freigehalten werden, um Erdschlüsse vor allem bei feuchter Witterung zu reduzieren oder zu vermeiden.
Gewässer
Angrenzende Gewässer sind mit Vorteil vollständig auszukoppeln. Ist dies nicht möglich, z.B. bei Bächen, sind diese Stellen mit einer zusätzlichen Sperre, bis ins Wasser hängend, oder mit Störelementen zu versehen. Denn für Wölfe sind Gewässer oder Bäche kein Hindernis.
Umgebung und Gelände beachten
Ein Zaun muss von angrenzenden Böschungen, Felsbrocken, Mauern, Kisten oder ähnlichem genügend Abstand haben, damit sie nicht als Rampen und Übersprunghilfen für Wölfe dienen können.
Kontrollen
Zäune sollten täglich mit einem Voltmessgerät überprüft und auf Schäden kontrolliert werden, denn durch eine kleine mangelhafte Stelle kann die Wirksamkeit als Beutegreifer-Abwehr verloren gehen.
Löcher in elektrifizierten Netzen müssen unbedingt mit leitendem Reparaturdraht geschlossen werden.
- Bei Litzenzäunen sollten der Abstand zum Boden, bzw. die Abstände zwischen den einzelnen Litzen an jeder Stelle nicht grösser als 20cm sein. Es werden mindestens 5 Litzen benötigt.
- Von angrenzenden Böschungen und Felsbrocken sollte genügend Abstand gehalten werden, da sie als Übersprunghilfe für Wölfe dienen können.
- Zäune sollten täglich kontrolliert werden. Löcher in elektrifizierten Netzen müssen unbedingt mit leitendem Reparaturdraht geschlossen werden.
Hilfreiche Dokumente zu Zäunen und Nachtpferchen:
Merkblatt «Wolfschutzzäune bei Kleinviehherden» (AGRIDEA 2020)
Brochure «Clôtures de protection contre le loup» (AGRIDEA 2020)
Foglietto «Recinzioni di protezione per il bestiame minuto» (AGRIDEA 2020)
Merkblatt «Sichere Übernachtungsplätze für behirtete Kleinviehherden» (AGRIDEA, 2021)
Foglietto «Rifugi notturni sicuri per greggi sorvegliate di bestiame minuto» (AGRIDEA, 2021)
Info-Blatt zu Lappenzäunen (CHWOLF 2017)
Link zum Infofilm «Wolfschutzzäune für Kleinvieh» (AGRIDEA 2019)
Teil 1: Wolfsverhalten am Weidezaun / Teil 2: Weidezauntechnik
Infofilm «Wolfschutzzäune für Kleinvieh» (AGRIDEA 2019)
