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Kommunikation

Um das Verhalten der Wölfe zu verstehen, ist es wichtig, ihre Verständigung zu kennen und auch richtig interpretieren zu können. Der Zusammenhalt des Rudels, das Aufrechterhalten der ausgeprägten Sozialstruktur, die Verteidigung des Territoriums, das gesamte Überleben des Rudels hängt von der Kommunikationsfähigkeit der Wölfe ab. Sie benötigen eine Fülle von Verständigungsmöglichkeiten um das differenzierte Sozialgefüge im Rudel einhalten zu können. Sie kommunizieren auf vielfältige Weise miteinander und gebrauchen dazu vier verschiedene „Sprachen“, die praktisch immer in Kombination miteinander verwendet werden.

  • die optische Sprache: Kommunikation durch Körpersprache
  • die akustische Sprache: Kommunikation durch Lautäusserungen
  • die olfaktorische (geruchliche) Sprache: Kommunikation durch Duftstoffe wie Harn, Kot, Analsekrete, Pheromone (Duftbotenstoffe, z.B. Sexualhormone)
  • die taktile Sprache: Kommunikation durch Tasten, Berühren, Spüren

Die optische Sprache - Körpersprache

Die Wölfe verfügen über eine ausgeprägte Körpersprache und Mimik. Sie besitzen ein sehr starkes Ausdrucksverhalten, haben viele Interaktionen miteinander und teilen ihre Stimmung zum grossen Teil durch Körpersprache mit. Es ist ein komplexes Zusammenspiel zwischen verschiedenen Einzelsignalen wie die Stellung der Ohren und der Rute, der ganzen Kopf- und Körperhaltung (hoch/tief), die Stellung der Gliedmassen und der ganzen Mimik. So kann man an der Körperhaltung des Wolfes ablesen, in welcher Stimmung er sich gerade befindet, ob er dominant, entspannt, unterwürfig, unsicher oder ängstlich ist, oder sich gerade in Spiellaune befindet. Anhand dessen sieht man auch ob er ein sozial hohes oder niederes Tier ist.
Für die Interpretation wichtiger als die jeweiligen Ausdruckselemente der einzelnen Körperteile ist immer der Gesamteindruck der Körperhaltung!

Die akustische Sprache - Sprache durch Lautäusserungen

Um die akustische Sprache richtig deuten zu können muss immer auch die ganze Körperhaltung des Wolfes beobachten werden.  Ein knurren bedeutet beispielsweise nicht immer das Gleiche. Je nach Körperhaltung kann es z.B. ein Angriffs- oder aber ein Abwehrdrohen sein. Neben der Kommunikation innerhalb Sichtdistanz, dient die akustische Sprache vor allem auch der Informationsübertragung über weite Distanzen.
Die Wölfe haben verschiedene Laute, die sie von sich geben:Mucken, Winseln, Wuffen, Knurren, Schreien, Jaulen, Heulen.

Mucken
Kurze, relativ tiefe leise Töne der Welpen, bis ca. 4 Wochen. Es ist ein Behagenslaut, der später vollständig verschwindet.

Winseln
Es signalisiert Unbehagen von Welpen und erwachsenen Wölfen, kann aber auch bei anderen Situationen wie Sexualität und Erregung gezeigt werden, dann ist der Ursprung aber nicht Unbehagen.

Wuffen (ähnlich Bellen)
ist bei Wölfenein Warnlaut. Sie bellen nicht anhaltend, wie die Hunde, sondern geben als Warnung nur ein kurzes leises „Wuff“ von sich. Sie können auch anschliessend ans Heulen kurz „Wuffen“, das sogenannte „bark howling“.

Knurren
Droh- und Warnlaut.

Schreien, Jaulen
Nur bei sehr grosser Angst oder starken Schmerzen.

Heulen
Dient vor allem zur Kommunikation auf weite Distanz, Artgenossen können das Heulen, dank ihres guten Gehörs über eine Distanz von 6km, bei guten Windverhältnissen sogar bis zu 10 km wahrnehmen. Jedes Rudelmitglied heult in seiner individuellen Tonlage und ist somit gut von den anderen zu unterscheiden. Das gemeinsame Heulen, das sogenannte Chorheulen, fördert auch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das Heulen hat somit auch eine soziale Funktion. Sie heulen auch gemeinsam um sich auf die Jagd einzustimmen und um ihr Revier akustisch zu markieren. Einzelne Wölfe heulen um Kontakt zu einem Rudel oder zu anderen einsamen Wölfen zu suchen. Meist heulen sie in den Dämmerstunden, wobei sie aber nicht den Mond anheulen.

Die olfaktorische Sprache - geruchliche Sprache

Die olfaktorische Kommunikation ist die Weitergabe von Informationen durch Gerüche. Wie bei allen Caniden ist beim Wolf der Geruchsinn sehr stark ausgeprägt. Er hat eine besonders grosse Riechschleimhaut, die mit über 200 Millionen Riechzellen besetzt ist. Damit können sie z.B. Buttersäure, ein wichtiger Bestandteil vom Körperschweiss, in einer bis zu einer Million dünneren Konzentration als der Mensch erkennen. Er kann Beutetiere bis zu einer Entfernung von 2-3km wittern. Die geruchliche Kommunikation spielt auch beim individuellen Erkennen der Artgenossen und ihres gegenwärtigen Zustandes, bei territorialen Besitzanzeigen sowie im sexuellen Bereich eine wichtige Rolle. Durch die Ausschüttung von Pheromonen (Duftbotenstoffe) kündigt das Weibchen ihre Paarungsbereitschaft an.

>>> mehr zur Paarungsbereitschaft unter "Fortpflanzung/Paarungszeit"

Das Markieren der Reviergrenzen erfolgt primär durch das Setzen von Urinmarken (Spritzharnen), aber auch durch absetzen von Kot auf markante, meist erhöhte Stellen, wie grosse Steine oder Grasbüschel. Wölfe besitzen auch Drüsen an den Pfotenballen und durch häufiges anschliessendes Scharren, werden die Duftmarken noch weiter herum verbreitet und gleichzeitig auch eine optische Marke hinterlassen. Untersuchungen zeigten, dass solche Markierungen bis zu einem Monat erhalten bleiben. Das Rudel durchwandert mindestens einmal alle 3-4 Wochen das ganze Territorium und markiert auf diese Weise das ganze Gebiet. Besonders häufig wird jedoch an den Grenzgebieten zu benachbarten Rudeln markiert. Häufig benutzen 2 benachbarte Rudel sogar dieselben Markierungsplätze, wobei sie hier besonders aufgeregt die Stellen beriechen, darüber markieren und danach intensiv scharren.
Mittels Markieren (Spritzharnen) bekräftigen ranghohe Tiere auch ihre hohe soziale Rudelstellung.

Zur geruchlichen Kommunikation gehört auch das Wälzen in strengriechenden Substanzen wie Aas, Kot etc., über die Funktion dieser Verhaltensweise weiss man noch nicht viel. Es gibt die Vermutung, dass das Wälzen in Aas den Zweck hat, die anderen Rudelmitglieder über vorhandene Futterquellen zu informieren.  Eine andere Hypothese besagt, es könne einer geruchlichen Tarnung der Wölfe gegenüber Beutetieren dienen, da so ihr Eigengeruch übertönt werde und sie sich dem Beutetier besser nähern können.

Die taktile Sprache – Kommunikation durch Berührung

Die taktile Sprache beinhaltet die Wahrnehmung über den Tastsinn sowie die haptische Wahrnehmung, also die Wahrnehmung über das aktive Berühren und Ertasten. Für die taktile Sprache nutzen die Wölfe bevorzugt die Schnauze mit den Tasthaaren und die Pfoten. In einem Wolfsrudel spielt die taktile Sprache für die sozialen Kontakte eine sehr wichtige Rolle. Dazu lecken sie sich die Schnauzen, stupsen sich mit den Nasen an, Pföteln oder Knabbern fein mit den Schneidezähnen am Sozialpartner. Welpen betteln durch intensives Schnauze lecken bei den erwachsenen Wölfen nach Futter, oder die Eltern weisen die Jungwölfe und Welpen durch einen sanften Schnauzengriff zurecht. Für Welpen ist das Kontaktliegen mit den Geschwistern nicht nur für den Wärmeaustausch, sondern auch für den sozialen Kontakt sehr wichtig.

Auch dominantes Verhalten kann durch taktile Kommunikation ausgedrückt werden. Den Kopf oder die Pfoten über den Rücken des Gegenübers zu legen können z.B. dominante Gesten sein. Die taktile Sprache spielt auch beim Spielen eine wichtige Rolle, wo viel Körperkontakt eingesetzt wird.

Eine Wolfsfamilie nutzt die taktile Sprache sehr häufig, dies bedeutet somit, dass Wölfe innerhalb ihres Familienverbandes häufig engen Körperkontakt zueinander pflegen.