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Sinnesorgane

Der Wolf ist ein hoch entwickeltes Säugetier, das perfekt an seinen Lebensraum angepasst ist. Seine enorm leistungsfähigen Sinnesorgane machen ihn zum Top-Beutegreifer der nördlichen Erdhalbkugel. Die beiden am besten entwickelten Sinne des Wolfes sind der Gehör- und der Geruchsinn. Auch der Seh- und Tastsinn spielen eine wichtige Rolle. Alle diese gut entwickelten Sinne ermöglichen es ihm, seine Beute auf Distanz und auch in der Dämmerung aufzuspüren. Aber auch in der Kommunikation mit anderen Wölfen spielen diese Sinne eine wichtige Rolle.

Ohren - Hörsinn

Wölfe besitzen ein sehr gut ausgeprägtes Gehör. Sie haben relativ kleine, dreieckige Stehohren. Das Heulen eines Artgenossen können sie über eine Distanz von ca. 6km hören, bei guten Windverhältnissen bis zu 10km. Sie können die Ohrmuscheln drehen und so jedes Ohr einzeln auf eine Geräuschquelle fokussieren. Selbst in Ruhephasen und im Schlaf behalten sie ständig ihr gesamtes Umfeld unter Kontrolle. Ausserdem können sie durch die Beweglichkeit der Ohren die Schallquelle genau lokalisieren. Wölfe sind sogar in der Lage, die im Ultraschallbereich liegenden Laute von Nagetieren wahrzunehmen - eine Welt, die dem menschlichen Gehör völlig verborgen ist. Der Wolf hört Töne bis zu einer Frequenz von 42‘000 Hz, ein junger Mensch bis ca. 20‘000Hz und ältere Menschen noch bis ca. 11‘000Hz.

Nase - Geruchsinn

Der Geruchssinn ist für das Überleben des Wolfes sicherlich am wichtigsten. Die Witterung von Artgenossen oder Beutetieren kann ein Wolf über Entfernungen von 2-3km wahrnehmen, bei günstigen Windverhältnissen wahrscheinlich sogar noch erheblich weiter. Im Vergleich zum Menschen hat der Wolf eine stark vergrößerte Oberfläche des Riechepithels mit 130cm² in dem ca. 250 Millionen Riechsinneszellen eingebettet sind, diejenige des Menschen ist lediglich 5cm² gross mit 10-30 Millionen Riechsinneszellen. Wölfe können somit 100-1000 Mal besser riechen als Menschen. Spuren können sie nach 3 Tagen noch verfolgen. Der Geruchsinn spielt vor allem auch in der Kommunikation mit Artgenossen eine wichtige Rolle. (Siehe auch Kommunikation - olfaktorische Sprache)

Augen - Sehsinn

Die Welpen kommen mit blauen Augen zur Welt. Die Augenfarbe wechselt dann später meist zu bernsteinfarben, sie kann aber auch ins bräunliche oder gräuliche mit allen Zwischentönen gehen.
Die Augen des Wolfes sind nach vorne gerichtet, sodass sich ihr Blickfeld überschneidet, was ein räumliches Sehen ermöglicht. Im Vergleich zum Menschen sind die Augen beim Wolf nicht ganz so gut ausgebildet. Jede Säugetierspezies hat das visuelle System entwickelt, das ihrem Überleben am besten dient. Der Wolf ist überwiegend in der Morgen- und Abenddämmerung bei der Beutejagd aktiv und seine Augen sind optimal diesen Tageszeiten angepasst. Wölfe können Farben nur eingeschränkt wahrnehmen, da sie nur 2 unterschiedliche Farbrezeptoren (wir Menschen haben 3) besitzen. Der sichtbare Teil des Farbspektrums ist gegenüber uns Menschen verschoben. Wölfe sehen vor allem im Blaubereich und weniger im Rot- Grünbereich, den sie anders wahrnehmen als wir Menschen. Ebenfalls fehlt ihnen der Punkt des besten Sehens. Wölfe können kleine bis mittelgrosse Objekte in der Ferne nur sehr schwer erkennen, wenn diese sich nicht bewegen. Bewegungen hingegen nehmen sie über weite Distanzen optimal wahr. Ein Reh auf einer Waldlichtung zum Beispiel ist für den Wolf solange als solches kaum erkennbar, solange es sich nicht bewegt oder der Wolf keine Witterung von ihm bekommt.

Auch geringste Bewegungen in weiter Ferne oder winzige Insekten, die in 3 Meter Entfernung herumfliegen, nimmt das Auge scharf wahr. Die besondere Stärke der Wolfsaugen liegt aber in der Fähigkeit, auch bei Dunkelheit noch ausreichend sehen zu können, was ihnen, als dämmerungsaktive Tiere, die effektive Jagd auf Beutetiere auch im Dunkeln ermöglicht. Der Grund dafür ist die große Anzahl von Stäbchen auf der Netzhaut (Nervenzellen), die auch auf geringe Lichtintensitäten reagieren. Weiter verfügen Wölfe über eine Schicht (Tapetum lucidum) hinter den Stäbchen die das Restlicht konzentriert reflektiert und somit optimal nutzt.

>>> Details zur Farbwahrnehmung des Wolfes

Wölfe haben zudem einen grösseren Blickwinkel, sie sehen 250°, der Mensch nur 180°. Sie nehmen also auch Dinge wahr, die seitlich neben, bis leicht hinter ihnen passieren. Wie wir Menschen sehen sie aber auch nur nach vorne dreidimensional.

Haut – Tastsinn

Wie beim Menschen ist die Haut auch beim Wolf das grösste Organ. In der Haut befinden sich unzählige Hautrezeptoren, die das Tasten, Spüren, Fühlen und auch die Wahrnehmung von Wärme und Kälte sowie Schmerz ermöglichen. Feine Nervenendigungen umgeben die Hautrezeptoren, welche die empfangenen Signale über das Rückenmark ans Hirn weiterleiten, wo sie verarbeitet und wahrgenommen werden.

Mit den hochempfindlichen Tasthaaren (Vibrissen), die sich an der Schnauze,  den Augen und den Beinaussenseiten befinden, nimmt der Wolf wichtige Informationen über die Umgebung auf. Die Grösse und Form von nahe gelegenen Objekten, oder auch Bewegungen nimmt er über die Vibrissen, z.B. durch Luftbewegungen war, ohne die Objekte zu berühren. Die Tasthaare haben an ihren Haarwurzeln zahlreiche Nervenendigungen und reagieren deshalb viel empfindlicher auf Berührungen und andere Reize als normale Haare. Da die Haarwurzeln von Muskelgewebe umgeben sind, können die Vibrissen auch aktiv bewegt werden. Sie dienen als eine Art Frühwarnsystem, um Zusammenstösse mit sich nähernden Gegenständen, wie z.B. Ästen zu vermeiden. Bei Berührung der Tasthaare schliesst der Wolf zum Schutz reflexartig die Augen. Da Wölfe Gegenstände auf kurze Distanz nicht so gut fokussieren können, oder auch in der Dunkelheit sind die Informationen der Vibrissen also extrem wichtig.

Durch die Pfotenballen ertasten die Wölfe den Untergrund auf dem sie laufen und können so die Beschaffenheit und auch Vibrationen wahrnehmen.

Bereits beim neugeborenen Welpen ist der Tastsinn überlebenswichtig. Er kommt mit verschlossenen Augen und Ohren zur Welt und auch der Geruchs- und Geschmacksinn muss sich erst noch entwickeln. Einzig der Tastsinn ist bei der Geburt voll entwickelt. Dank diesem kann er die Umwelt wahrnehmen und bereits mit der Mutter und den Geschwistern eine soziale Bindung aufbauen. Dank dem Tastsinn findet er auch die Zitzen der Mutter, die er dann mit dem sogenannten Milchtritt mit den Pfoten anstupft. Das Kontaktliegen mit den Geschwistern und der Mutter vermittelt Schutz und Wärme. Um die Verdauung in den ersten Wochen nach der Geburt anzuregen, massiert die Mutter die Bäuchlein der Welpen durch Lecken und gesäubert werden die Kleinen in der Anfangszeit ebenfalls durch Ablecken.