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Mythen

Der Wolf spielt als Motiv in den Mythologien, Sagen und Märchen sowie in der Literatur und Kunst zahlreicher Völker eine zentrale Rolle. Dabei spiegelt sich die ambivalente Einstellung des Menschen gegenüber dem Wolf wider. Einerseits verehrt er ihn als starkes und überlegenes Tier, zum Anderen projiziert er auf das vermeintlich aggressive Tier verschiedenartigste Ängste.

Viele Völker, die von der Jagd lebten (Nordeuropa, Nordamerika), sahen im Wolf einen ihnen ebenbürtigen oder überlegenen Konkurrenten, dessen Ausdauer und Geschick bewundert und begehrt waren. Der Wolf wurde auch als Beschützer oder als übernatürliches Wesen betrachtet und verehrt. Krieger identifizierten sich mit dem Wolf. Vornamen wie Wolf, Adolf, Wolfgang oder Wolfhard erinnern an die Wertschätzung des Wolfes.

In der Mythologie der nordamerikanischen Indianer ist der Wolf ebenfalls von großer Bedeutung. Viele der amerikanischen Ureinwohner verehrten den Wolf als Gründungsvater ihres Volkes. Die Inuit im hohen Norden sehen im Wolf einen Bruder. Sie haben immer mit Wölfen zusammengelebt und tun es heute noch.

Die Aborigines nennen Sirius den Stern des Wolfes und bezeichnen ihn als die “Heimat der Vorfahren”. Eine interessante Übereinstimmung mit der ägyptischen Mythologie. In der Wissenschaft gibt es ebenfalls ein nach dem Wolf benanntes Sternbild in der südlichen Hemisphäre: “Lupus”.

Die griechische Göttin Hekate, die mit dunkler Hexerei und Zauberei in Verbindung stand, wurde in der bildenden Kunst häufig in der Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Der griechische König Lykaon wurde von Zeus in einen Wolf verwandelt.

 

Die säugende kapitolinische Wölfin mit den Knaben Romulus und Remus
Museo Nuovó im Palazzo dei Conservatori, Rom          (Bild Wolpertinger)

Die Gründer der Stadt Rom, die Zwillinge Romulus und Remus, sollen von einer Wölfin gesäugt und aufgezogen worden sein. Die Geschichte beruht indes auf einem Missverständnis: Das Wort lupa bedeutet im Lateinischen sowohl „Wölfin“ als auch „Hure“. Mit diesem Wort war ursprünglich Larentia, die leichtlebige hurende Gattin des Hirten Faustulus gemeint, der das Brüderpaar aufgezogen hatte.

Der Werwolfmythos, also die Verwandlung eines Menschen unter dämonischem Einfluss in einen Wolf, war schon in der griechischen Antike verbreitet. Seine Hochzeit hatte er jedoch in Europa in der Zeit vom 13. bis zum 17. Jahrhundert. Zur Zeit der Hexenverfolgung wurden auch viele Werwölfe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Ursache für die Entstehung der Sage vom Werwolf, ist wohl in falsch verstandenen Berichten schamanistischer Riten zu suchen, verbunden mit Berichten über Tollwut. Dies erklärt auch die Vorstellung der Verwandlung nach einem Biss durch einen Werwolf.